Birke 2010 überwunden

Wir befinden uns in der Birkennachsaison. Über Zugriffszahlen definieren Blogs ja sozusagen ihre Schwanzlänge. Aber bei Pollenblick sind zurückgehende BesucherInnenzahlen ein Grund zu feiern:  Seit Ende April sinken die LeserInnenzahlen rapide. Das bedeutet, dass die Birkenplage (nicht nur bei mir) vorbei ist. Unzählige Heuschnüpfige, die über die Googlesuche „Wie lange blüht die Birke noch?“ jeden Tag Pollenblick besucht haben, auf der Suche nach einem kleinen Stück Hoffnung in schweren Zeiten, –die springen jetzt draußen über sonnenüberflutete Wiesen oder picknicken freudig in Birkenwäldern.

Pollenblick behält trotzdem die Birkenfront im Auge. Die Pollenforschung geht das ganze Jahr über weiter und will beobachtet werden. Und natürlich muss sich jemand um die armen Gräserpollengeplagten kümmern. Für die fängt die Leidenszeit allmählich an.

Die Pollenlage, 28.04.10

„Der Höhepunkt der Birkenblüte ist nun überschritten.“, behauptet Wetter online.  Die Pollenvorhersage vom DWD zeigt aber Deutschland ganz in Alarmrot. Und die „Ende Birkenblüte“- Karte ist erst bei 23% Meldequote. Dazu kommt das trockene, sonnige Wetter, das für die nächsten Tage angekündigt ist.

Ich prognostiziere deshalb, dass es nochmal ein paar Tage lang schlimm bleibt. Erst für Sonntag ist großflächig Regen angekündigt. Hoffen wir, dass der Regen ordentlich was wegspült. Dann, Anfang Mai, müsste es sowieso besser werden. Jedenfalls der Birkenstress, für die gräsergeplagten Menschen beginnt ab 1. Mai leider die Leidenszeit.

Und aus dem Rhein-Main-Gebiet hört man, dass die empfundene Birkenbelastung schon jetzt merklich nachgelassen hat. Dort fing die Blüte früh an, ist logisch, dass es da als erstes wieder vorbei ist. Glückwunsch!

Pollensaison 2010: Ein Ende ist in Sicht

Auch diese Birkensaison wird vorübergehen! Der DWD verzeichnet schon drei Sichtungen auf seiner Birken- Blütezeit- Ende- Karte. Die erste war am 13.4..  Es sind wenige, 1%, aber das ist immerhin ein Anfang.

Wetter online sieht den Höhepunkt der Birkenblüte „in den tiefsten Lagen schon knapp überschritten“. Mit der Höhenlage meines Wohnorts hab ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Hier in Berlin hat die Birke heute jedenfalls ganz schön heftig zugeschlagen, nachdem es zu Beginn der Saison ganz harmlos war. Aus psychologischen Gründen ich gehe jetzt mal davon aus, dass alles besser wird.

Zwischenbilanz 2010

Pollensaison, erster Teil 2010, Birke (Berlin).

Birkenstresslevel: Gering.

Taschentuchverbrauch:  Gering.

Hustenbonbonverbrauch:  Extrem gering.

Tablettenverbrauch: Null.

Nachbarn durch Niesanfälle aufgeschreckt:  Fast gar nicht.

Aufenthalt im Freien: Möglich bis angenehm/ sehr angenehm.

Zusammenfassung: Juchuu!

Und bei Euch?????

PS: Pollenschutzmaßnahmen werden trotzdem strikt durchgeführt und haben merkbar positiven Effekt.

Pollenkatastrophe in den USA

So schlimm wie seit vielen Jahren nicht mehr leiden zur Zeit die Menschen im Südosten der USA. Zum Beispiel aus St. Petersburg (Florida) erreichen uns Katastrophenberichte. (Video) Nach einem kalten Winter explodieren die Bäume regelrecht und verpesten die Luft mit grüngiftigem Pollenstaub. Die geplagten Pollenopfer überrennen jetzt förmlich die Arztpraxen. Die Übersichtskarte zeigt 90 % der USA in Dunkelorange bis Knallrot. Auch dort ist wohl die Birke eine der Hauptübeltäterinnen. (?) Danach geht dort, ebenso wie bei uns, die Gräsersaison los.

Wo in den USA die schlimmsten Pollenstädte sind,the (…) most challenging places to live with allergies, hat die Asthma and Allergy Foundation of America erforscht. (Liste) Gemessen wurde nicht nur die Pollenbelastung, sondern zusätzlich indirekt das Befinden der Patienten. Für Deutschland wäre das doch auch eine Idee, oder? Aber gegen die aafa wirkt unser Deutscher Allergie- und Asthmabund doch recht verschnarcht.

Es ist nicht zu übersehen:  Pollen sind ein internationales Problem. Während wir uns freuen, dass es hier (noch??) nicht so schlimm ist, sollten wir eine solidarische Gedenkminute für die Pollenopfer in Übersee einlegen. Wie allerdings internationale Hilfsaktionen aussehen könnten, ist mir noch nicht klar. Vorschläge?

Der Birkenpollenflug 2010, ein Interview

24.03.2010 

Guten Tag, Herr  Dr. Wachter,

Sie betreiben als Pollenflugexperte seit einigen Jahren eigene Messstationen in Norddeutschland und versorgen uns regelmäßig mit Pollenvorhersagen.  Was können Sie als Pollenexperte zu unserer Birkensichtung in Koblenz sagen? Es ist doch angemessen, in Panik auszubrechen, oder?

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Es gibt immer und überall Ausnahmen von der Regel, so auch beim Blühtermin von Birken. Das kann mit deren genetischer Ausstattung bzw. Artzugehörigkeit oder mit dem Standort, z.B. Südhang, zu tun haben.
Auch kranke oder schlecht mit Wasser versorgte Pflanzen neigen zu vorzeitiger Blüte.

Aha, das mit der Birkenblüte ist also komplexer als ich dachte. Und kranke Birken sind dann nicht unbedingt positiv für uns. Wie sehen Sie denn die allgemeine Birkenpollensituation für Deutschland, jetzt, Ende März?

Zumindest an den von mir betreuten Messstellen und den Messstellen, von denen ich aktuelle Daten bekomme, gab es bislang keinen Birkenpollenflug. Und wenn demnächst Birkenpollen auftauchen, so handelt es sich dann zunächst meist um ferntransportierte aus dem (süd)westeuropäischen Ausland.

Oha! Wo genau kommen sie denn her?
Die ersten (nicht sehr dichten) Wolken zu Beginn der Birkenpollensaison können in  Nordportugal, am Fuß der Pyrenäen und in Südwestfrankreich  entstehen.
Bei der zu dieser Jahreszeit üblichen Wetterlagen kann es durch aus sein, dass wir davon etwas abkriegen. Zeitgleich bilden sich auch Birkenpollenwolken im Osten (Schwerpunkt Ungarn), doch bekommen wir davon meist nichts ab.
„Meist“! Ansonsten säßen wir in der  Pollenzange. Von beiden Seiten Pollen!
Gesamteuropa zu betrachten ist natürlich wichtig für die Vorhersage. Aber solche detaillierten Informationen findet man selten in den gängigen Pollenvorhersagen. Da gibt es sicher einen ungeheuren  Forschungs- und Informationsbedarf.
Die Finnen haben  ein Modell entwickelt, SILAM, mit dem sich die Ausbreitung von riesigen Pollenwolken berechnen lässt.
Momentan gibt für die Öffentlichkeit nur Beispielverläufe.  Als Zulieferer der europäischen Pollendatenbank in Wien habe ich Einsicht in die aktuellen Vorhersagen für die nächsten Tage. Man kann sie wie einen Film ablaufen lassen und dabei schön sehen, wo Pollenwolken entstehen (werden) und wohin sie ziehen (werden).
Ich habe mal nachgeschaut. Es handelt sich wohl um das Finnish Meteorological Institute (FMI), die University of Turku (UT) und  University of Helsinki (UH).
Das ist doch mal nützliche Forschung! !! Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.
Wie ist denn Ihre persönliche Einschätzung? Ab wann müssen wir mit den ersten schlimmen Birkentagen rechnen?

Wann die Birkenblüte in diesem Jahr da und dort in Deutschland einsetzt, bzw. wie sehr verspätet angesichts des langen Winters, kann Ihnen jetzt noch keiner sagen. Das hängt letztlich vom  Wetter, insbesondere der Temperatur ab.

Wenn die Blüte verspätet einsetzt, können wir dann wenigstens mit einer kurzen Saison rechnen?

Kurz, aber regional  eventuell auch heftig! Die Situation kann Anfang April ziemlich schnell eskalieren.

Oh! Das klingt aber gar nicht gut. Anfang April ist nächste Woche. Panik ist also angebracht.

Herr Dr. Wachter, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Erster Birkenalarm 2010

Meine Informanten melden eine Birkensichtung in Koblenz! Angeblich stünde sie in voller (!!) Blüte, heißt es.
Kann das sein? Die Pollenflugvorhersagen sagen einstimmig null Birkengefahr an. Es heißt beim DWD: Die Birkenblüte beginnt im ersten Aprildrittel,

Andererseits ist die Rheinecke meist früher dran als der Rest Deutschlands. Was sagt die Datensammlung des DWD? Auf der Karte „Blühbeginn Birke 2009“ sieht man, dass letztes Jahr die Gegend um Frankfurt rum, bis runter nach Karlsruhe, als erstes betroffen war. Die erste blühende Birke ist am 30.03. 2009. gesichtet worden. Koblenz 23.03.2010 ist also nicht völlig abwegig.

Auf der sicheren Seite wären wir mit Beweisfotos, Jens. Im Moment blühen die Erlen heftig. Das sind auch Bäume mit Trotteln dran, und sie haben Zweige, Stämme, Knospen und all sowas baummäßiges. Das kann man schon mal verwechseln, oder??