2017, es geht los

Ja, die Erle hat begonnen, ihren Dreck zu verteilen. Ihr  habt es vermutlich schon mitgekriegt. Es ist warm und hell und dieser blöde Baum hat halt nichts Besseres zu tun. Die Hasel haselt schon seit einiger Zeit vor sich hin. Das kennen wir ja. Manchmal fängt sie schon Weihnachten an. Aber wenn die Erle loslegt, dann merken es viele ganz extrem.

Die ist jetzt auf „Stufe 2“ hier in Berlin, „mäßig“, also schon ganz schön happig. Das Ganze wird bis Ende März oder bis April dauern. Ist auch egal, das Ende der Erlenzeit bemerke ich nie so richtig, da sie übergangslos von der Birkenpest abgelöst wird.

Es gibt da nichst Schönes zu zu sagen. Höchstens, dass es regnen könnte. Aber vorsicht, vor dem Regen ist es erfahrungsgemäß oft besonders schlimm. Das hat mit dem Luftdruck und heruntergedrückten pollentragenden Luftschichten zu tun.

Ich hoffe, Ihr habt schon Pollenflucht-Reisen geplant.

Birkenpollenallergene

Ihr fragt Euch in den Kommentaren, warum Ihr in manchen Jahren stark reagiert und in anderen fast gar nicht. Außerdem leiden einige von uns in diesem Jahr stark, andere weniger stark.Ich spekuliere hier mal. Zum Einen sind die Bestandteile der Polle vielfältig und zum anderen gibt es Faktoren, die die Allergene aggressiver machen, wie z B Autoabgase. Dazu gab es in den letzten Jahren/ Monaten ab und zu  Berichte.

Vor Kurzem (?) hat man entdeckt, was für Stoffe in der Birke überhaupt so schlimm sind. Dass wir also nicht auf „DIE“ Birke reagieren, sondern auf einzelne Eiweiße in der Polle. Und vermutlich ist die Polle auch nicht jedes Jahr gleich. Eine Apfelernte ist ja auch jedes Jahr ein bißchen anders.

Der Hauptübeltäter in der Birkenpolle ist ein Protein namens Bet v 1. Das Hauptallergen. Aber zusätzlich gibt es noch Nebenallergene. Man sieht es sehr schön auf dem Bild (pdf), das eine Pharmafirma als Information für Testprofile herausgegeben hat.

testprofi32l

Wenn wir eine Desensibilisierung machen lassen wollen, bekommen wir anscheinend ein Testprofil, eine Analyse, auf welche Birkenbestandteile wir besonders reagieren. Jetzt wäre es interessant, wenn jedeR von uns ein Testprofil hätte und wir dann vergleichen, wer wann besonders stark reagiert. „Oh dieses Jahr wieder besonders viel Bet v 4 in der Birke, das wird Joachim ärgern.“ So könnte das dann aussehen.

 (Das pdf bekomme ich nur über die Googlesuche. Titel ist: Ist Ihr Patient für eine Birkenpollen-SIT geeignet? - Phadia.com)

Ich bin mir nicht mal sicher, ob man wirklich schon alle Allergene in der Birke gefunden hat. Manchmal finden sie dann noch Jahre später heraus, dass eine Desensibilisierung nicht klappen kann, weil der wichtigste Stoff nicht drin war.

Ich habe sehr hübsche Vortragsfolien gefunden, da schreibt Prof. Dr. Albert Duschl von der Uni Salzburg, über Bet v 1. (S. 6)

Es gibt eine ganze Reihe von Isotypen in der Birke, sowie Homologe in vielen anderen Pflanzen. Sie bilden die Familie der PR10 Proteine.

Also es gibt viele verschiedene Varianten und sie sind eine riesige Drecksfamilie. PR 10 heißt unser Feind.

Der zweite Feind heißt Auto. In welchem Zusammenhang Allergie und Sommer-Smog stehen, beschreibt er auf Folie  9.

Aus normalen Allergenen werden superaggressive MONSTERALLERGENE. Die scheinen wohl eine Allergie auszulösen oder zu verschlimmern.  den Prozess, wenn aus normalen Pollen Monsterpollen werden, nennt sich Nitrierung und geschieht durch autoverschmutzte Stadtluft. Ozon und Stickstoffdioxid (??) spielt dabei eine Rolle. Ich hatte schon mal an anderer Stelle bei Pollenblick darüber geschrieben.

Das spielt vermutlich auch eine Rolle bei der Frage, ob die Pollensaison schlimm oder weniger schlimm für Euch ist. Begegnen Euch mehr radikaliserte Pollen oder mehr normale Pollen?  Allerdings kann ich nicht behaupten, dass es in reiner Landluft angenehm wäre. Bloss nicht dran denken.

Also können wir auf der Basis weiterspekulieren. Ich denke, dass man jetzt einzelne Allergene entdeckt hat, ist ne interessante Entwicklung für uns. Es tut sich etwas!

Hohe Birkenpestbelastung am Wochenende

Jetzt ist es offiziell: Der DWD teilt mit, dass die Birke ordentlich loslegt. Gemerkt haben wir es aber schon seit ein paar Tagen, oder? Es war nur bisher nicht in den Vorhersagen zu sehen.

Übrigens, was mir an der Pollenflugvorhersage des DWD so gefällt, ist die Aufteilung der Karte nach Naturräumen. Das sind Landschaftsabschnitte, die vom Klima und Wachstumsbedingungen her zusammengehören. Denn was soll eine Pollenflugvorhersage mit unseren politischen Grenzen, Bundesländern??? Haut doch gar nicht hin.

Sypathisch ist mir auch die Überschrift beim DWD: Gefahrenindex.
Sehr angemessen.

Eine weitere Lieblingsseite von mir ist Wetter online, weil die einen Text schreiben, statt nur z. B. Bienchen zu setzen. So erfahre ich Zusammenhänge und bekomme einen Ausblick auf die weitere Entwicklung.

Und was sind eigentlich Eure Lieblingsvorhersageseiten– und warum?

Oder benutzt Ihr Apps?

Auf zum munteren Bäume fällen!

Davon träumen wir doch alle: Die blöden Birken mal alle heftig mit der Axt zu bearbeiten. Zum Glück gibt es das jetzt das Bäumefällprojekt auf dem Karlshof in Brandenburg. Dort werden noch Freiwillige gesucht. Vor allem suchen sie Menschen, die mit der Kettensäge umgehen können. Aber auch mittels Yoga könnt Ihr die Baumvernichtenden unterstützen. Ich finde,  es ist eine gute Gelegenheit, die Opferolle zu verlassen und an der Aggressorin Birke mal ausgiebig Rache zu üben. Ob das Camp von den Krankenkassen finanziert wird, habe ich allerdings nicht herausbekommen.

Foto: wasanderes (flickr)

Krasser Paradigmenwechsel

Liebe Pollenfeind-Gemeinde!

Autoabgase verursachen Allergien?

Seit 2008 rufen wir nun zur Birkenverbrennung und- zerstückelung auf. Das ist sicherlich eine vernünftige Lösung zur Allergenvermeidung. Doch es zeichnet sich immer mehr ab, dass das wahre Problem woanders liegt.  Richtig aggressiv und allergieauslösend werden die Birkenpollen erst durch Abgase, durch eine chemische Reaktion in der Luft. Ozon und Stickoxide sind das Problem. In ihrer Urform sind die Birkenpollen vielleicht ja gar nicht so schlimm.

Der Klimawandel,  den die Luftverschmutzung verstärkt, verschlimmert das Pollenproblem auch noch: Die Blütezeit aller möglichen Pflanzen verlängert sich durch das wärmere Klima. So haben wir fast das ganze Jahr über einen lustigen Pollencocktail in der Luft, statt im Winter mal entspannt durchatmen zu können. Und die Birken produzieren außerdem insgesamt mehr Pollen. Der erhöhte Kohlendioxidgehalt der Luft regt sie dazu an. Weiterlesen

Pollenfrei unter Palmen: Testbericht Gewächshausausflug

In der Wohnung sind wir zwar vor Pollen relativ sicher. Aber wenn die Sonne lacht und Feiertagsstimmung herrscht, ist die Verlockung groß, Risiken einzugehen. Da lohnt es sich, über pollensichere Alternativen zum Parkausflug nachzudenken.

Die Gewächshäuser im Botanischen Garten Berlin-Dahlem sind da sehr empfehlenwert. Man bekommt zwar die eine oder andere kleine Polle auf dem Weg dorthin ab, und man muss einzelne Abteilungen meiden, aber die besonders gute Luft in einzelnen Hallen gleicht das wieder aus.

Es ist ein schöner Ausflug, das Gefühl, ins Grüne zu kommen fühlt sich echt an und die Bepflanzung ist abwechslungsreich. Die tropischen Gewächshäuser mit ihrer hohen Luftfeuchtigkeit und der sauberen Luft haben Wellnesscharakter. Die Nebeldüsen hätte ich am Liebsten mit nach hause genommen.

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Allergologen kritisieren Gesundheitspolitik

Heftige Kritik an der Gesundheitspolitik üben die Fachverbände der Allergologen. Via DGAKI 

Banalisierung des Problems, keine Kostenübernahme für Medikamente, lächerlich wenig Geld für Behandlungen und deshalb immer weniger Allergologen, so lautet ihre Klage.

Ob sie nur auf hohem Niveau jammern, weil das Geld für den Geländewagen und die Altbauwohnung knapp wird, oder ob echte Fürsorge dahintersteht, möchte ich offen lassen.

Recht haben sie natürlich, dass Heuschnüpfige mehr Unterstützung von der Krankenkasse bekommen sollten. Neben der Medikamente wären hier zum Beispiel Luftfilter oder sowas sinnvoll. Von Pollenfluchtkuren, von pollensicheren Erholungsräume in der Stadt, vom Recht auf Telearbeitsplätze und von Allergikerwohnanlagen auf Helgoland usw usf,  darf man natürlich auch träumen.

Sparbemühungen träfen hier (…) eine Patientengruppe, die teilweise bereits resigniere. Ein Viertel der Allergiker suche schon gar keinen Arzt mehr auf und nur 10 Prozent würden noch von einem Allergologen qualifiziert versorgt.

So besorgt klingen die Allergologenverbände. Andererseits könnte es ja wohl daran liegen, dass es kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt…..