Pollenbelastung im Winter

Manche von uns haben sich gewundert, dass sie schon um Weihnachten herum unter irgendetwas gelitten haben.

Manchmal blüht die Hasel schon so früh, aber es gibt noch eine weitere mögliche Erklärung: Die Purpurerle (Alnus spaethii), ein exotischer Zierbaum, blüht um diese Zeit. Sie hat eine sibirische Erle unter ihren Vorfahren, daher ihre Affinität zu Kälte. Insgesamt sind es dadurch zwei Monate frühere Erlenpollenzeit!
Es soll eine Kreuzung zwischen einer kaukasischen Erle und einer japanischen oder sibirischen Erle sein. Egal, aus was sie gezüchtet wurde, sie gehört wie alle Erlen zur Familie der Birkengewächse, Dreckskräuter!
1908 in Berlin das erste mal beschrieben, heißt es noch. Wer weiß, wo die überall angepflanzt wurde? Die Wikipedia sagt nichts dazu. Unter Spaeths Erle findet man sie immerhin auf Gartenbauseiten:
Sehr schöner und anmutiger kleiner Straßen- und Parkbaum, der aufgrund seines gefälligen Wuchses und seiner gesunden, sehr ansprechenden Belaubung viel größere Beachtung verdient.“
Kann man den nicht verbieten lassen? Gefährliche exotische Tiere darf man ja auch nicht einfach züchten.
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7 Antworten

  1. Oft denken die Verantwortlichen, dass sie mit der Purpur-Erle einen einheimischen Baum wählen und kennen die Problematik mit den sehr frühen Pollen überhaupt nicht. Man muss sie mit der Nase drauf stoßen. Leider ist dieser Baum sehr anspruchslos, salzresistent und hat eine schlanke Krone und ist deshalb als Straßenbaum besonders geeignet. Deshalb ist zu fürchten, dass dieser Baum in naher Zukunft noch häufiger gepflanzt werden wird. Allein aus dem Grund sollte man die Pollenproblematik, wo immer es geht, thematisieren.
    Ich selbst bin vor gut zwei Jahren durch Zufall darauf gestoßen als ich nämlich zu Weihnachten schon Beschwerden hatte und mir die Kätzchen an einer Reihe von Bäumen aufgefallen sind. Ich erinnerte mich dann schwach, dass 2006 ein Artikel in der Zeitung war, dass dort Purpur-Erlen gepflanzt wurden. Ich hab dann im Internet recherchiert. Damals gab es dazu nur ein oder zwei Artikel über den Ort Buchs in der Schweiz. Damit war der Fall klar.
    Leider wurden hier in Kaiserslautern insgesamt 100 bis 120 dieser Bäume gepflanzt. 90 davon geballt an einer Hauptverkehrsstraße auf einer Länge von ca. 2 km in zwei Gruppen. Die restlichen stehen auf einer Strecke von einem halben Kilometer abwechselnd mit einer anderen Baumart (jeweils in Dreiergruppen). Abstand zur oben genannten Pflanzung beträgt 2 km.
    Als mir das klar wurde habe ich das hiesige Grünflächenamt darüber informiert, dass damit die Leidenszeit der Pollenallergiker extrem verlängert wird. Eine Antwort habe ich leider nicht bekommen aber in der letzten Meldung über Neuanpflanzungen / Ersatzpflanzungen war keine einzige Purpur-Erle mehr dabei.

    Viele Grüße
    purpurerle_nein_danke

    PS:
    Auch dieses Jahr hatte ich schon zu Neujahr schon wieder Beschwerden. 😦

    • Oh, das ist bei Dir schon eine längere Leidensgeschichte….
      Ich hab mich schon oft über das Grünflächenamt gewundert und geärgert. Die haben garantiert Richtlinien, was sie wo pflanzen sollen. Und darin kommen Allergien als Problem gar nicht vor.
      Zum Beispiel pflanzen sie in Berlin regelmäßig neue Birken, mitten in der Stadt. Ich frage mich, ob man da irgendwie gegen vorgehen könnte, bzw ob man sich an irgendwelche oberen Etagen wenden könnte. Ein Massenprotest wäre vielleicht angebracht.

      Wo hast Du denn herausgefunden, welche Bäume wo gepflanzt wurden?

      • Herausgefunden habe ich das eher durch Zufall. Ich habe kurz nach Weihnachten damals die offenen Kätzchen gesehen und mir schon gedacht, dass das Erlen sein müssen. Dann habe ich mich daran erinnert, dass 2006 ein Artikel in der Zeitung war, dass genau dort Purpur-Erlen zur ‚Verschönerung‘ des Straßengrüns gepflanzt wurden (wegen der Fußball-WM). Dann habe ich im Internet nach der Purpur gesucht. Es gibt sonst keinen Baum der so früh im Jahr Kätzchen hat und sie sehen auch recht typisch aus, deshalb konnte ich die Bäume an den anderen Standorten recht leicht identifizieren. Zusätzlich gibt es kaum einen Steinwurf von meinem Haus entfernt eine ganze Phalanx an Schwarzerlen. So hab ich den direkten Vergleich wann die einheimischen Erlen tatsächlich blühen. Dieses Jahr ca. 8 Wochen später.

        Ich glaube man kann nicht dagegen vorgehen. Gründe siehe hier:

        http://www.galk.de/projekte/akstb_allergie.htm

        Ich hab keine Ahnung wie weit die Grünflächenämter da mittlerweile sensibilisiert sind, aber 2004 fanden sich auch noch jede Menge Pollenschleudern in der Liste der empfohlenen Gehölze in unserem Begrünungsplan.

  2. Birken sind, soweit ich weiss, billige und schnellwachsende Bäume. Aber was es bedeutet, die Pollenschleuder direkt vor der Nase zu haben, da spricht keiner drüber.
    Im Krankenhaus Westend in Berlin steht sogar vor der Allergie-Abteilung eine dicke fette Birke.

    Aus Deinem Link:
    „Er weist darauf hin, dass die Bäume nicht die eigentliche Ursache für die Zunahme von Allergien sind.“ …und deswegen tun wir lieber gar nichts? Ist schon klar, dass man das Problem dadurch nicht beseitigen würde. Aber wie wärs mal mit Linderung?

    Nach der gleichen Logik könnte man auf Rampen für Rollstuhlfahrer verzichten, weil Treppen nicht die Ursache für Lähmung sind.

  3. Pollenallergie im Winter – Purpurerle (Alnus spaethii)

    Montag, 25. Februar 2013

    In der Fachzeitschrift «New England Journal of Medicine» erhält eine vom Schweizer Arzt Markus Gassner lancierte Studie besondere Anerkennung. Sie weist nach, dass die nicht heimische Purpurerle (Alnus spaethii) seit drei Jahren bereits an Weihnachten blüht, was gerade bei Kindern nachweisbar zu Immunreaktionen führt.

    Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit MeteoSchweiz (Regula Gehrig) und der Allergiestation des UniversitätsSpitals Zürich (Peter Schmid-Grendelmeier).
     

    Die Studie

    Markus Gassner über die Hintergründe und Ziele der Studie: «Die Studie begann eigentlich 1981 mit einem Schüler, der Bäcker werden wollte. Er litt an Heuschnupfen. Ich riet ihm, einen anderen Beruf zu ergreifen. Aber er hatte schon einen Lehrstellenvertrag abgeschlossen. Die Mutter fragte, wie gross das Risiko eines Bäckerasthmas sei. Weil dies niemand beantworten konnte, stellte ich beim Nationalfonds ein Forschungsgesuch. Dieses wurde für 3 Jahre bewilligt. So entstand in Grabs von1983 bis 2007 die längste, kontinuierliche seroepidemiologische Querschnittsuntersuchung (Untersuchung des Serums) bei Schulkindern in der Schweiz.

    In den letzten Jahren hatten wir die Immunreaktionen der Schüler aus dem Jahr 1986 mit jenen von 2006 mit einer modernen Methode nachuntersucht. Dabei ist aufgefallen, dass die Schüler häufiger auf ein Molekül der Erlenpollen (rAln g 1) reagieren. 2010 untersuchten wir nun 39-jährige Erwachsene, die bereits im Jahr 1986 bei dieser Untersuchung mitmachten. Auch sie reagierten häufiger auf dieses Erlenallergen. Aber weshalb ausgerechnet Erlen, die seit Jahrtausenden in den Auenwäldern des jungen Rheins sehr verbreitet sind?

    Die Erklärung: In Buchs wurden vor 15 Jahren 96 Erlen gepflanzt. Man wollte einheimische Bäume, aber eine besonders schöne Sorte. So fiel die Wahl auf die Purpurerle. Diese Sorte wurde 1908 erstmals von Carlier in einem Baumgarten in Berlin beschrieben. Sie entstand aus einer Kreuzung zwischen einer kaukasischen Erle und einer japanischen oder sibirischen Erle. Wegen den schöneren Blättern wurde sie als Zierbaum weiter gezüchtet, wuchs auch sehr rasch und erwies sich als winterresistent.

    In Buchs ist nun aufgefallen, dass dieser Baum seit drei Jahren etwa zwei Monate vor den Erlen am Rheindamm blüht, immer zwischen Weihnachten und Neujahr. Deshalb mussten die Pollenmessungen vorverschoben werden. Erlenpollen konnten so im letzten Jahr zwei Monate früher als an anderen Messstellen nachgewiesen werden, wie erwartet auch in diesem Jahr. 

    Weshalb blühen diese Bäume so früh? Unsere Laubbäume haben sich den Jahreszeiten angepasst. Im Herbst lassen sie die Blätter fallen. Sie können so besser überwintern und Nährstoffe speichern. Sie brauchen einen Kältereiz, um den Winter zu spüren («Chilling»-Effekt). Eine Kälteperiode, üblicherweise Anfang Dezember, bewirkt dies. Nun warten sie auf den Frühling. Die Purpurerle kann dank ihrer sibirischen Gene möglicherweise mehr Frost nach dem Erblühen riskieren als beispielsweise Apfelbäume. Solche Zusammenhänge zwischen Umweltfaktoren und Genetik (Epigenetik) sind nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Bäumen noch weitgehend unklar. Deshalb sind diese Beobachtungen äusserst spannend. Beeinflussen beispielsweise Temperatur oder Licht den Blühbeginn dieser Stadterlen? Oder ist es eine Folge der Klimaerwärmung?

    Was soll man nun mit diesen Bäumen machen? Der Gemeinderat von Buchs reagiert hier sicher gut. Man soll diese Bäume nicht einfach fällen und eine Betonwüste erzeugen. Sehr sinnvoll aber ist, keine neuen Bäume dieser Art zu pflanzen, weder hier noch anderswo, also in den Strassen der Städte nicht unnötig viele und riskante Allergene freizusetzen.»

    Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von:  

    aha! Allergiezentrum Schweiz und Dr. med. Markus Gassner

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