Dem Wiesenschwingel auf der Spur

Blühkalender sind diese nutzlosen Dinger auf denen bunte Balken grob irgendwelche Monate markieren. Auf welchen Daten das Ganze basiert wird nicht erwähnt. Vielleicht auf Pollensammlungen zur Französischen Revolution, auf esoterischen Schätzungen oder Onkel Ottos großem Zeh. In ihrer völligen Nutzlosigkeit hilft es eher irgendwelchen Illustrierten,  Hilfeleistung zu simulieren. Sie kommen sich verdammt informativ vor und können weiterhin frohgemuts PraktikantInnenarbeit als Journalismus ausgeben. Putzig ist es, wenn dazu noch der Ratschlag kommt, die Pollen zu meiden. Oh! Da wäre ich nie drauf gekommen!

Deshalb war ich völlig von den Socken als ich dieses fantastische Beispiel eines Vorbild-Blühkalenders entdeckt habe. Dieses Wunderwerk an Informationstechnologie möchte ich Euch kurz vorstellen. Nehmen wir den Wiesenschwingel als Beispiel. In anderen Blühkalendern und in Pollenvorhersagen taucht der Kerl gar nicht auf. Lieblos wird er unter „Gräser“ abgefertigt. Dabei könnte doch jemand gegen Roggen allergisch sein, aber nicht gegen Wiesenschwingel. Beide haben eine ganz andere Blütezeit. Der Schwingel wird bei Klick auf den Namen ausführlich mit Foto vorgestellt.  Wir erfahren, dass seine Pollen 30 Mikrometer (?)  groß sind, dass das Hauptallergen Fes e l heißt, dass er eine meist kurz kriechende Grundachse (?) hat, dass er sich gerne auf Fettwiesen und Fettweiden aufhält, und dass die klinische Relevanz schwer (!!) ist. Die Größe der Pollen wirkt sich darauf aus, wie weit die Dinger fliegen können. So ist das Schilf zum Beispiel nur aus nächster Nähe gefährlich.  Die Abschnitte Allergologie und Klinische Relevanz sind natürlich für uns besonders wichtig, sie sagen uns, was von dem Kraut überhaupt zu halten ist.

Wer Lust hat kann durch die gesamte Wiesenwelt hindurchflanieren und erfährt tausend schöne Dinge. Obwohl nur die Pflanzen angezeigt werden, die gerade Pollen streuen, ist die Liste umwerfend lang. Selbst wer so etwas Exotisches wie eine Mageritenallergie hat, wird hier fündig. (Gibt es das wirklich: Eine Margeritenallergie??)

Natürlich müssten jetzt die Tests beim Allergologen genauso detailliert sein, damit einem die schönen Informationen etwas nützen. Sind sie das inzwischen? Ansonsten kann man mit diesem Kalender besser raten als vorher. Die unterschiedlichen Blühzeiten mal mit der eigenen Nieshäufigkeit abgleichen. Und beim nächsten Spaziergang erkennst Du den Wiesenschwingel garantiert, mit diesem Blühkalender kann nichts schiefgehen.

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Eine Antwort

  1. […] Website dieser Pharmafirma ist mir ja schon mal aufgefallen, weil sie einen guten Blühkalender bietet und eine umfangreiche Allergen-Datenbank. Andererseits […]

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